Entstehung des Bestattungsgewerbes

Ursprünglich war Mitte des vorherigen Jahrhunderts die Bestattung eine Frage der Nachbarschaftshilfe.
Der sogenannte "Nächste" kümmerte sich als Leichenbitter um die Bekanntgabe des Todesfalles, d.h. er ritt zu Pferde von Hof zu Hof, von Haus zu Haus und informierte über den Todesfall, bat zur Leiche.

In der Regel handelte es sich dabei um den rechts vom Hof oder Haus gelegenen Nachbarn, der diese Aufgabe übernahm. Die Frau des Toten, Leichenfrau, kümmerte sich um die Waschung und Einbettung des Verstorbenen. Es folgte die Hausaufbahrung. Der Dorfschreiner lieferte den Sarg, der Fuhrmann machte etwaige Überführungen, wenn der Haushalt kein eigenes Pferdefuhrwerk hatte.

Die Kirche nahm sich dann der eigentlichen Bestattung an. Der Friedhof war in der Regel ein Kirchhof.

Mehr und mehr veränderte sich im Laufe der Zeit dann die gesellschaftliche Situation. Die Anforderungen auf dem Hygienesektor und von Seiten der Behörden wurden immer größer. So bildeten sich in der Regel aus dem Gewerbe der Schreiner und auch aus dem der Fuhrmänner erste Bestattungsunternehmen heraus.

Diese Bestattungsunternehmen nahmen den Hinterbliebenen der Familie nicht nur die Erledigung der Formalitäten ab, sondern sie lieferten auch den Sarg, kümmerten sich um die Trauerfeier und anschließend auch um die Todesanzeige. So entstand ein neuartiges Gewerbe.

Hierzu muss man wissen, dass nach dem Krieg 70/71 im Deutschen Reich die Gewerbefreiheit eingeführt wurde, was damals zu einem Industrialisierungsboom führte. Die Bevölkerung strebte vom Land weg in die Stadt und es setzte eine Entwicklung der Säkularisierung ein. Weitere Folgen waren die Entstehung von Ballungsgebieten, der Verlust der Großfamilie, die Entstehung von Singlehaushalten und damit die Ausklammerung der Bestattung aus dem Gemeinwesen in die private Sphäre.